Das Vale do Capão, amtlich Caeté-Açu, erstreckt sich über rund zehn Kilometer zwischen Bergketten in der Gemeinde Palmeiras, innerhalb des Nationalparks Chapada Diamantina. Die örtliche Überlieferung erzählt, die ersten Bewohner seien Quilombola-Familien gewesen, die sich lange vor den Entdeckern hier niederließen, eine mündliche Tradition ohne dokumentarischen Beleg. Die schriftlich belegte Besiedlung beginnt im 18. Jahrhundert, als die portugiesische Krone auf der Suche nach Gold ins Landesinnere vordrang, und nimmt nach 1844 Fahrt auf, als die ersten Diamanten von Mucugê Tausende von Schürfern in die gesamte Chapada zogen. Der Capão entstand als landwirtschaftliches Projekt zur Versorgung der Minen. Als der Diamant in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts an Wert verlor, sicherte der fruchtbare Boden das Überleben des Dorfes, damals Capão Grande genannt, das zu einem bedeutenden Kaffeezentrum mit Dutzenden Wasserrädern wurde, von denen nur Spuren blieben. Fehlende Straßen vertrieben die Investoren, und erst 1889 entstand die Verbindung nach Lençóis, heute als Trilha das Mulas erwandert. 1892 erschien der Ort erstmals auf einer Karte, und nach einer schweren Dürre zogen Bewohner über die Gerais do Vieira und gründeten das Vale do Pati. Seit den 1970er Jahren prägen neue Bewohner mit Sinn für Gemeinschaft und ökologischen Landbau das heutige Gesicht des Tals.
Das kulturelle Leben im Vale do Capão entsteht aus der Begegnung zwischen den Familien des Sertão, die diese Berge seit Generationen bewirtschaften, und den Zugezogenen der siebziger Jahre, die aus ganz Brasilien und aus Europa kamen. Daraus wurde ein kleines Dorf mit erstaunlich vollem Kalender, in dem alte katholische Frömmigkeit neben ökologischem Landbau, Handwerk, Capoeira, Musik und einer stark vegetarisch geprägten Küche steht. Feste und Gemeinschaftsprojekte laufen über örtliche Vereine, sodass Besucher das Gefühl haben, eine lebendige und gut organisierte Gemeinschaft zu betreten.
Wandern steht im Vale do Capão an erster Stelle, ob auf kurzen Wegen zu den Badegumpen und Wasserfällen nahe dem Dorf oder auf der mehrtägigen Durchquerung zum Vale do Pati, die als eine der großen Trekkingrouten Brasiliens gilt. Wer es ruhiger mag, findet Yoga, Massagen, Handwerkskurse und Besuche bei Projekten des ökologischen Landbaus. Am späten Nachmittag füllen sich Cafés, Restaurants und Läden mit regionalen Erzeugnissen rund um den Dorfplatz, und in klaren Nächten wird der Sternenhimmel selbst zum Programm. Alle Routen erfordern einen zertifizierten Führer.
Das Wahrzeichen der Region ist die Cachoeira da Fumaça, ein Fall von über dreihundert Metern, der sich in Nebel auflöst, bevor er den Boden erreicht, erreichbar über einen anspruchsvollen Weg ab dem Dorf. Vom Capão aus besteigt man auch den Morrão, einen der Zeugenberge der Pai-Inácio-Antiklinale, und erreicht den Morro do Pai Inácio, den meistfotografierten Aussichtspunkt der Chapada Diamantina. In der Umgebung liegen die Wasserfälle Riachinho, Angélica und Purificação, der Weg der Águas Claras sowie die Gerais do Vieira, eine Hochfläche, die zum Vale do Pati führt.
Das Jahr beginnt mit dem Fest des São Sebastião, des Schutzpatrons des Dorfes, am 19. und 20. Januar mit Messe, Prozession, Feuerwerk im Morgengrauen und Musik bis in die Nacht. Im Juni folgen die Junifeste mit Lagerfeuern, Quadrilha-Tänzen, traditionellen Speisen und Forró pé de serra in familiärer Atmosphäre. Im September wird der Caruru de São Cosme e Damião gefeiert, eine afrobahianische Tradition des gemeinsamen Essens. Dazu kommen über das Jahr Musikfestivals, Kunstausstellungen und Berglaufwettbewerbe mit wechselndem Programm.
Auf etwa tausend Metern gelegen und von Bergketten geschützt, genießt das Vale do Capão fast das ganze Jahr über ein angenehmes Mikroklima mit einer Durchschnittstemperatur um neunzehn Grad. Die regenreichste Zeit reicht von November bis März, wenn kurze Nachmittagsschauer fallen und die Wasserfälle am kräftigsten sind. Zwischen April und September ist das Wetter trockener, mit sonnigen Tagen und kalten Nächten, vor allem im Juni und Juli, wenn die Temperaturen in den Höhenlagen deutlich sinken. Leichte Kleidung für den Tag und etwas Warmes für den Abend gehören in jeder Jahreszeit ins Gepäck.
Aus Europa führt die Reise meist über den internationalen Flughafen von Salvador, erreichbar mit Direktflügen und mit Umstiegen in mehreren brasilianischen Hauptstädten. Von Salvador bis in die Chapada Diamantina sind es rund vierhundert Straßenkilometer, mit dem Linienbus, mit privatem Transfer oder im Mietwagen, mit dem üblichen Halt in Palmeiras oder Lençóis. Das letzte Stück folgt einer schönen Bergstraße, die von örtlichen Verkehrsmitteln bedient wird. In Lençóis gibt es zudem einen kleinen Regionalflughafen mit saisonalen Flügen. Discover Brasil organisiert jedes Detail der Anreise.
Geführte Wanderwege, Wasserfälle, Bergdurchquerungen und Begegnungen mit den Menschen des Tals: Entdecken Sie die Angebote im Vale do Capão und buchen Sie Ihr nächstes Abenteuer in der Chapada Diamantina bei uns.
